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Manche leiten "Sabbat" von dem maurischen zabat, "eine Gelegenheit der Macht" ab. Die Berber, Nachfahren nordafrikanischer "Amazonen", führen gelegentlich dieses Festes immer noch heilige Tänze in Gruppen zu dreizehn auf - die Dreizehn ist auch die überlieferte Zahl des Hexensabbats und steht für die dreizehn Mond-Monate eines Jahres. Der europäische Sabbat oder Festtag ist in der Hauptsache von Inquisitionsrichtern des 14. und 15. Jahrhunderts auf der Basis heidnischer Vorbilder eingeführt worden. Die Kirchenmänner behaupteten, die Hexen hielten alljährlich vier große Sabbate ab, um die vier großen Feste der Kirche zu verpotten; ursprünglich hatte die Kirche diese Feste allerdings von den HeidInnen übernommen. Dabei handelte es sich um
Manche Aufzählungen schließen auch die Sommersonnenwende (24. Juni, Johannistag) und die Wintersonnenwende (21. Dezember, das Fest des heiligen Thomas) mit ein. Einzelheiten entnahmen die Inquisitoren den Berichten über klassisch-römische Fruchtbarkeitsfeste, wie etwa die Bacchanalien, die Saturnalien und die Lupercalien. Bei der alten Reinigungszeremonie zu Neujahr wurden in der Lupercal-Grotte - dem Ort, an dem die Wölfin Lupa die Zwillinge Romulos und Remus gesäugt haben soll - Ziegenböcke geopfert, mit deren Blut junge Männer benetzt wurden; in ungegerbte Ziegenfelle gekleidete Priester schlugen im Rahmen eines Fruchtbarkeitszaubers den Frauen mit Riemen aus Ziegenleder auf die Hände; Männer und Frauen tauschten ihre Kleidung und gaben sich sexuellen Ausschweifungen hin. Erst im späten fünften Jahrhundert wurden die Lupercalia in den christlichen Kalender aufgenommen und in das Fest der Reinigung der Jungfrau verwandelt. Andere heidnische Praktiken, die vermutlich zum Hexensabbat gehörten, waren zu Ehren der Mondgöttin gegen den Uhrzeigersinn aufgeführte Tänze, das Tragen von Masken, Sprünge über ein Feuer, das Halten eines Opferfestmahles und die Anbetung von Bäumen, Quellen und heiligen Steinen; schließlich wurden in einer karnevalsartigen Atmosphäre ziemlich freizügige Späße gemacht und allerlei Unfug getrieben. Der Karneval, das Fest der Narren, stammt in der Tat von alten heidnischen Festen ab, in deren Verlauf die gesellschaftliche Ordnung vorübergehend auf den Kopf gestellt wurde. Alles geschah genau umgekehrt wie üblich; damit bildeten diese Feste ein Vorbild des "umgekehrten Christentum", der Schwarzen Messe. Noch im mittelalterlichen Christentum wurden die Saturnalien auf diese Weise gefeiert: Die Priester einer Kirche erwählten einen Narrenbischof, der im vollen Ornat einzog und auf dem Bischofsstuhl im Chor Platz nahm. Dann begann das Hochamt; alle Geistlichen, die assistierten, hatten ihre Gesichter geschwärzt und trugen abscheuliche oder alberne Masken. Während die Messfeier ihren Verlauf nahm, tanzten einige als Marktschreier verkleidet oder in Frauenkleidern in der Mitte des Chores und sangen derbe oder obszöne Lieder. Andere aßen Würste oder Blutwürste vor dem Altar, spielten Karten und würfelten vor dem zelebrierenden Priester, beräucherten ihn mit Weihrauch oder verbrannten alte Schuhe und ließen ihn den Rauch einatmen. Solch karnevaleske Clownerien waren "schlicht die letzte Form, welche die Priapeia und die Liberalia im Abendland angenommen hatten, in ihren verschiedenen Einzelheiten wiederholten sie alle Vorkommnisse der großen unzüchtigen Orgien der Römer." Einige Kirchenbehörden gelangten allerdings zu der Auffassung, daß solcher Trubel von Grund auf böse sei. Im Jahre 1445 verlangte die theologische Fakultät der Pariser Universität eine Reform; sie schrieb an die französischen Bischöfe und gab ihnen eine puritanisch-schockierte Schilderung von den Bräuchen der Vorfastenzeit: "Priester und Kleriker kann man zur Zeit des Gottesdienstes mit Masken und monströsen Visagen sehen, sie tanzen im Chor, als Frauen, Kupplerinnen oder Minnesänger verkleidet. Sie singen leichtfertige Lieder. Sie essen Blutwurst vor dem Hochaltar, während der Zelebrant die Messe liest. Sie spielen dort Würfel. Sie weihräuchern mit stinkendem Rauch von alten Schuhsohlen. Sie laufen und hüpfen durch die Kirche, ohne über ihre Schändlichkeiten zu erröten." Briefe wie der angeführte, den die Inquisitoren sich aus den Kirchenarchiven verschafft haben mögen, gaben ihnen viele Anregungen für die Einzelheiten des Sabbats, die sie ihren Opfern in den Mund legten und von ihnen unter der Folter bestätigen lassen konnten. Ein Richter brauchte nur ein wenig Fantasie, um den Ablauf eines normalen Gottesdienstes umzudrehen und sein Opfer zu beschuldigen, es habe nicht den Ring des Bischofs, sondern den Anus des Teufels geküßt, anstelle von Brot und Wein Kinderleichname gegessen und Menstruationsblut getrunken, die Gebete rückwärts gesprochen, das Kreuzeszeichen mit dem linken Fuß anstelle der rechten Hand gemacht, sich nicht an himmlische sondern an unterirdische Wesen gewandt und so fort. Die wöchentlichen Sabbate wurden angeblich am Freitag abgehalten; dies war einst der lunare "Vorabend" desw ursprünglichen Sabbats, dem Tag des Saturn (engl. saturday) oder des Zeus Sabazios. Der Freitag war der Venus-Freyda geheiligt; nach Sonnenuntergang begann hier der Sabbat-Tag der Juden - beides machte ihn nach Ansicht der ChristInnen zu einem schlechten Tag oder gar zu einem Unglückstag. Fiel ein Freitag auf den dreizehnten Tag eines Monats, so war er besonders unbeliebt. |